Erinnerung | Kapitel 1

Frühling, 2008

»Juli? Hey, Julian!«

Draußen schien die Sonne und sie saßen trotzdem in dem kleinen Laden, wo Staub in den Strahlen tanzte. An den Wänden standen Regale, die sich unter den Gewichten von Spielkartons, Figuren und Mangas bogen. Neben dem Verkaufstresen hockten sie an einem wackeligen Tisch. Das Radio dudelte vor sich hin und erfüllte den Raum mit Popmusik, die dann den Nachrichten wich.

Johanna wedelte mit ihren Spielkarten auf der Hand vor dem Gesicht ihres Gegenübers herum und verzog ihre Schnute zu einem Grinsen.

»Hör auf zu träumen oder ich feg dich weg, Alter! Du bist dran!«

Der Junge blinzelte und fuhr sich durch sein blaues Haar, das ihm sofort wieder in die Augen fiel.

»Warte. Hör mal«, murmelte er, während er das Radio anstarrte und dann die Nachrichtensprecherin lauter drehte.

»– dementierte die Kaiser Corporation, Maximilian Kaiser hätte einen Abschiedsbrief hinterlassen. Es heißt, er werde seit gestern Abend vermisst. Silas Kaiser stand für keinen Kommentar zur Verfügung. Die Polizei schließt eine Entführung nicht aus.«

»Oh«, machte Johanna und atmete zwischen den Zähnen aus. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie die Luft angehalten hatte, während sie der Meldung lauschte. Weiterlesen