Erinnerung | Kapitel 1

Frühling, 2008

»Juli? Hey, Julian!«

Draußen schien die Sonne und sie saßen trotzdem in dem kleinen Laden, wo Staub in den Strahlen tanzte. An den Wänden standen Regale, die sich unter den Gewichten von Spielkartons, Figuren und Mangas bogen. Neben dem Verkaufstresen hockten sie an einem wackeligen Tisch. Das Radio dudelte vor sich hin und erfüllte den Raum mit Popmusik, die dann den Nachrichten wich.

Johanna wedelte mit ihren Spielkarten auf der Hand vor dem Gesicht ihres Gegenübers herum und verzog ihre Schnute zu einem Grinsen.

»Hör auf zu träumen oder ich feg dich weg, Alter! Du bist dran!«

Der Junge blinzelte und fuhr sich durch sein blaues Haar, das ihm sofort wieder in die Augen fiel.

»Warte. Hör mal«, murmelte er, während er das Radio anstarrte und dann die Nachrichtensprecherin lauter drehte.

»– dementierte die Kaiser Corporation, Maximilian Kaiser hätte einen Abschiedsbrief hinterlassen. Es heißt, er werde seit gestern Abend vermisst. Silas Kaiser stand für keinen Kommentar zur Verfügung. Die Polizei schließt eine Entführung nicht aus.«

»Oh«, machte Johanna und atmete zwischen den Zähnen aus. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie die Luft angehalten hatte, während sie der Meldung lauschte. Weiterlesen

Mehr als nur das Leben

Eine Kurzgeschichte zum Prompt der Woche (09.05.-15.05.16).


 

»Sie kennt dich nicht einmal«, seufzte er.

Er schaute zu seinem Lehrling hoch, dessen Schein selbst im Zwielicht glänzte. Seine Flügel schimmerten und in seinen Augen loderte Hoffnung und Zuneigung.

Er sah, wie Aran die junge Frau beobachtete, während sie lachte und mit einem jungen Mann scherzte.

»Aber ich kenne sie schon ihr Leben lang«, erwiderte Aran und balancierte das Dach entlang, ohne es zu berühren. Weiterlesen

Sieg und Niederlage

Die folgende Geschichte ist eine Flash Fiction-Story zu dem Prompt der Woche (16.05.-22.05.16).


Sie stand noch.

Als er vor ihr lag, das Blut von der Hand abwischte – nicht sein eigenes – wusste sie, dass es vorbei war. In diesem Moment, in dem er sie anschaute.

»Herzlichen Glückwunsch«, schnarrte er und sie hörte sein höhnisches Grinsen in seinen Worten, obwohl er vor ihr kniete, Blut und Schlamm verschmiert in seinem Gesicht.

»Du lebst. Ausgerechnet du. Wer hätte es gedacht?«

Ihre Knie zitterten, in ihrem linken Arm breitete sich ein Taubheitsgefühl aus und das Blut lief ihr ins rechte Auge. Aber sie stand.

»Hat es sich gelohnt?«, spöttelte er. Weiterlesen

Prolog | Fünf Jahre später

Ludwigsberger Rundschau am 23.07.2011

Vermisst: Julian Müting

Geburtstag am 4. Juni 1992, gefärbtes Haar (blau), ca. 153 cm, sehr schlank. Zuletzt getragen: schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt und Gürtel mit Nieten.

Hinweise bitte an die polizeiliche Dienststelle in Domino.

0213/19931012

Der 19-jährige Schüler Julian Müting aus Domino wird seit Samstagmorgen vermisst. Der junge Mann hatte am Freitagabend an einem Sommerfest der Nikolai-Werner-Gesamtschule teilgenommen. Gegen 2.30 Uhr war er dort von Mitschülern zum letzten Mal gesehen worden.

5 Jahre später

Sie kneift die Augen zusammen, als jemand mit einem Ruck den Vorhang zurückreißt und sich das Tageslicht über das Bett ergießt, dreht sich um, schaut auf den Wecker, dessen Display sieben Uhr schreit, und murmelt »Arsch« und »Geldsack«.

Etwas trifft sie am Kopf. Mit einem »Hey! Was zur –« fährt sie hoch und funkelt die Silhouette an, die wie ein Schatten gegen das Licht durch die wandhohen Fenster erscheint.

»Lies.« Weiterlesen

Als wäre es Liebe

Ich stelle mir vor, wie du genauso innerlich brennst wie ich, wenn du mir so nahe bist. Das ist keine Liebe.
Hitze walzt zwischen meinen Schenkeln durch meine Adern, versengt mich. Ich brenne. Nicht nur mein Körper. Du verbrennst mich. »Er hat – dich geliebt«, stöhnst du gegen meine Lippen und ich nehme wieder den Zigarettengestank wahr.

– unzensierte Version –

Warnings: Ab 18 Jahren empfohlen.
Sexuelle Handlungen.

© Jaelaki Weiterlesen

Der Fremde vor der Tür

Das war schon immer sein Problem. Er fragte nicht. Er nahm.

Ich wollte ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, am liebsten ins Gesicht und ihm dabei seine perfekte Nase brechen. Aber ich stand nur da und dann nickte ich, obwohl ich den Kopf schütteln wollte.

Und das war meines. Ich ließ ihn.

Warnings: Ab 16 Jahren empfohlen.
Andeutung sexueller Handlungen

© Jaelaki

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